Notes on Home
What makes a house a home
Heute habe ich eine Wohnung besichtigt. Grösser als unsere, besser gelegen. Und trotzdem habe ich mich auf dem Heimweg gefragt, ob ich nicht längst das gefunden habe, wonach ich so lange gesucht habe. Über das Ankommen, die Sehnsucht nach mehr und die Kunst, sich ein Zuhause zu schaffen.
Ich bin oft umgezogen - als Kind und Jugendlicher nicht immer freiwillig um ehrlich zu sein. Das Vertraute war immer lieber als das Unbekannte, Neue - wenngleich es öfter größer oder schöner war. So ist der Mensch nunmal - wir wissen dem Unbekannten weniger abzugewinnen als dem Vertrauten, bis das Unbekannte ein Vertrautes wird - und dann musste ich meistens wieder umziehen, oder wollte es.
Irgendwie hat sich dabei eine Sehnsucht nach dem Bleibenden entwickelt, nach dem Nest das auf einen Wartet, das vertraut und immer gleich ist, während man selbst die Welt entdeckt und sich entwickelt und verändert.



Als ich nach Bildern für diesen Beitrag suchte, fand ich Fotografien meines früheren Wohnateliers im Schloss Arenberg in Salzburg. Ein anderer Ort, ein anderes Leben. Und doch erkenne ich darin vieles wieder, das mich auch heute umgibt.
Offenbar gibt es eine bestimmte Vorstellung von Zuhause, die mit mir umzieht: warme Farben, Dinge mit Geschichte, Materialien, die man gerne berührt.
Vielleicht nehmen wir dieses Gefühl ein Stück weit mit und versuchen, es uns an jedem neuen Ort wieder zu schaffen.
Heute habe ich wieder eine Wohnung besichtigt. Grösser als unsere, vielleicht sogar besser gelegen. Auf dem Papier wäre sie in vielerlei Hinsicht eine Verbesserung.
Und trotzdem ertappte ich mich auf dem Heimweg bei dem Gedanken, wie viel Arbeit, Zeit und Liebe es brauchen würde, daraus das Zuhause zu machen, das wir längst haben.
Unsere Kinder sind noch klein, ich lebe gerade einmal zwei Jahre in Zürich und vieles fühlt sich noch immer nach Ankommen an.
Vielleicht habe ich es zu eilig. Unser kleines, feines Zuhause schenkt uns gerade jetzt so viel Geborgenheit. Es ist vielleicht nicht besonders gross, aber es ist unseres. Und ich merke, dass ich das bei meiner Suche nach mehr Platz beinahe vergessen hätte.


Als Interior Designerin weiss ich, wie sehr Räume unser Gefühl von Geborgenheit prägen. Farbe schafft für mich Geborgenheit. Textur, die man spürt. Details, an denen das Auge hängen bleiben und sich freuen darf. Das alles haben wir uns hier geschaffen – und geleistet.
Ich mag das warme Licht am Abend, die vertrauten Dinge, die uns von Wohnung zu Wohnung begleitet haben, und die Ruhe, die ein Raum ausstrahlen kann, selbst wenn darin gerade zwei Kinder spielen.
Schönheit ist für mich nichts, das nur auf Bildern stattfindet. Sie verändert, wie wir uns an einem Ort fühlen.
Natürlich bleibt unsere Wohnung mit zwei kleinen Kindern selten so, wie ich sie als Designerin gerne hätte. Kaum habe ich etwas aufgeräumt, liegt es schon wieder am Boden.
Und dennoch liebe ich die kleinen Rituale, die hier entstanden sind: unsere Plätze am Tisch, den Blick aus dem Fenster, das Licht zu bestimmten Tageszeiten. Wir kennen die Räume inzwischen so gut, dass wir kaum darüber nachdenken.
Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen einer schön eingerichteten Wohnung und einem Zuhause: Es wird nicht nur gestaltet, sondern bewohnt. Und es wächst mit dem Leben, das darin stattfindet.



Natürlich wäre ein Zimmer mehr schön. Platz für die Kinder, vielleicht ein eigenes Arbeitszimmer, ein wenig mehr Luft.
Andererseits würde ich mich vermutlich auch in einem Schloss wohlfühlen. Das weiss ich sogar aus Erfahrung. Und hätte dort wahrscheinlich bald Ideen, was man noch verbessern könnte.
Aber wo macht man Halt?
Ich möchte mir die Freude am Gestalten nicht nehmen lassen. Vielleicht muss ich nur besser unterscheiden, wann ich mir Veränderung wünsche – und wann ich sie wirklich brauche.
Wenn ich heute Abend nach Hause komme, erwartet mich kein perfektes Bild. Aber ein Ort, an dem wir angekommen sind.
Für den Moment ist das vielleicht mehr als genug.

