Eigentlich gestalten wir keine Innenräume.

Wenn wir über Marken sprechen, sprechen wir erstaunlich selten über Räume.

Wir sprechen über Logos, Farben, Typografie, Websites oder Social Media. Dabei findet die authentischste Begegnung mit einer Marke oft ganz woanders statt. In einem Hotel. In einem Restaurant. In einem Coiffeursalon. In einem Pilatesstudio. Dort, wo Menschen nicht nur hinschauen, sondern einen Ort betreten.

Mir ist in den letzten Jahren immer häufiger aufgefallen, dass genau dort eine Marke entweder glaubwürdig wird – oder eben nicht. Natürlich gestalten wir als Designer Räume. Wir entwickeln Grundrisse, wählen Materialien, planen Licht und denken über Abläufe nach. Wir lösen unzählige funktionale Details und verbringen Stunden damit, die richtigen Proportionen oder den passenden Farbton zu finden.

Aber wenn ich ehrlich bin, fühlt sich das nie wie der eigentliche Kern meiner Arbeit an. Ich habe vielmehr das Gefühl, dass wir versuchen, etwas Unsichtbares sichtbar zu machen. Wir versuchen, einem Unternehmen einen Raum zu geben.

Vor einigen Monaten durften wir den neuen Salon von Tina gestalten. Die Aufgabe war nie, einfach einen schönen Coiffeursalon zu entwerfen. Davon gibt es viele. Wir wollten einen Ort schaffen, der sich nach Tina anfühlt.

Nach ihrer modernen Ästhetik. Ihrer Liebe zum Handwerk. Ihrer mühelosen Coolness. Und nach dieser besonderen Mischung aus Präzision und Leichtigkeit, die Menschen sofort Vertrauen schenkt.

Natürlich musste der Salon funktionieren. Spiegel, Arbeitsplätze, Stauraum, Licht, Produkte, Laufwege – all diese Dinge gehören zu einem guten Coiffeursalon. Aber die spannendere Frage war eine andere.

Wie übersetzt man einen Menschen und sein Unternehmen in einen Raum?

Wie schafft man einen Ort, der sich nicht wie ein beliebiger Salon anfühlt, sondern wie eine natürliche Verlängerung der Person, die ihn geschaffen hat? Vielleicht erinnern sich Menschen später nicht an die Wandfarbe. Oder daran, welche Leuchte über dem Spiegel hing. Vielleicht wissen sie nicht einmal genau, warum sie sich dort wohlgefühlt haben. Aber sie erinnern sich daran, wie sich ein Ort angefühlt hat.

Ob er authentisch war. Ob er stimmig war. Ob das, was das Unternehmen versprochen hat, auch tatsächlich spürbar wurde. Und vielleicht ist genau das die schönste Form von Branding. Nicht ein Logo, das man erkennt. Sondern ein Ort, den man erlebt.

Ein Entwurf ist allerdings immer nur der Anfang. Wie gut ein Projekt am Ende wird, entscheidet sich nicht allein am Zeichentisch, sondern vor allem in der Umsetzung. Materialien müssen sorgfältig ausgewählt, Details konsequent umgesetzt und unzählige Entscheidungen auf der Baustelle getroffen werden.

Tina hat diesen Prozess mit bemerkenswerter Klarheit begleitet. Sie war eine Bauherrin, wie man sie sich nur wünschen kann: entscheidungsfreudig, präzise und mit einem feinen Gespür dafür, wann es sich lohnt, an einer Idee festzuhalten – und wann nicht.

Dass sich der Salon heute genauso anfühlt, wie wir ihn uns zu Beginn vorgestellt hatten, ist deshalb nicht nur das Ergebnis unseres Entwurfs, sondern vor allem auch ihrer konsequenten und unglaublich sorgfältigen Umsetzung.

Thank you for the fabulous images © Marla Pilz

Über Marken, Menschen und die Frage, wie aus einer Idee ein Ort wird.